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American Football:
(1. Münchner Football Club Munich Cowboys e.V.)

Familientag beim Turnier der Flag-Busters

Das Drumherum war fast wie bei den Großen. Trotz des zeitgleichen Streetlife-Festivals auf der Leopoldstraße versammelten sich am Sonntag Footballfans und -familien zum Saisonstart der Flag-Busters im Münchner Dantestadion. „Erfreulich viele", meinte Paul Zach, Leiter der jüngsten Football-Abteilung der Munich Cowboys. Stadionsprecher Christian „Texas" Leischnig kommentierte die Spiele der neun- bis 15-jährigen Flaggenjäger live. Das Technik-Team Wölfle sorgte wie bei den Bundesligaspielen mit Musikeinspielungen für gute Stimmung. Und in einer Halbzeitpause zeigten die Pee Wees, die sechs- bis elfjährigen Cheerleader der Munich Cowboys, ihre tänzerischen und akrobatischen Künste. „Süß, gell", meinte eine Zuschauerin. Paul Zach betonte, dass die Cowboys Flag-Busters bei solchen Veranstaltungen regelmäßig neue Mitglieder gewinnen.

Die Munich Cowboys haben besonders viele Mädchen in ihrem Team. In dieser Altersgruppe spielen Mädchen und Jungen Football noch zusammen. Im Gegensatz zum Tackle Football ist beim Flagfootball der Körperkontakt auf das Blocken beschränkt. Das hat den Vorteil, dass Nachwuchsspieler Grundtechniken wie Werfen oder Fangen lernen können, ohne einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt zu sein. Jeder Spieler trägt in einem Gürtel links und rechts eine Flagge. Der Ballträger wird – anders als bei den Erwachsenen – nicht durch Körperkontakt zu Boden gebracht. Um ihn stoppen, müssen die Gegner eine Flagge ziehen.
Flagfootball gilt als idealer Einstieg in den Football-Sport, als eine gute Grundausbildung. Der so genannte Neuner-Flag (neun Spieler pro Team) hat aber noch einen viel größeren Vorteil: Während bei anderen Sportarten dicke Kinder oft diskriminiert oder ausgeschlossen werden, sind bei den Flag-Busters alle Spielertypen gefragt. Egal ob groß, klein, dick, dünn – für jeden Typ gibt es eine Position, die besetzt werden muss. Zum Beispiel in der Defense Line: Die Munich Cowboys werben um große und schwere Spieler, deren Hauptaufgabe es ist, das Laufspiel des gegnerischen Teams zu unterbinden. Und die bei Passspielzügen Druck auf den gegnerischen Quarterback ausüben sollen, um den Regisseur des Angriffs zu Fehlpässen zu zwingen.

Seit 16 Jahren nehmen die Cowboys Flag-Busters am Spielbetrieb teil. Zwischen 2003 und 2005 verpassten sie den bayerischen Meistertitel denkbar knapp und wurden Vizemeister. Seit dem vorigen Jahr wird das Team neu aufgebaut. Doch dieser Aufbau ist längst nicht abgeschlossen – auch das wurde am Wochenende deutlich. Gegen die Flaggenjäger der Wildcats Crusaders und der Amper Bay Buccaneers setzte es für die Cowboys Flag-Busters mit 0:15 und 0:12 zwei bittere Niederlagen. „Wir sind extrem nervös gestartet", meinte Britta Berger, frühere Ladies-Spielerin und Abwehr-Coach der Münchner Flaggenjäger. „Mit 0:4 Punkten stehen wir in der Tabelle jetzt fies hinten." Da das Turnier aber nur das erste von dreien gewesen ist, hofft Britta Berger auf Besserung bis zum bayerischen Finalturnier am 22. Juli in Kirchdorf.

Egal ob sich die Cowboys Flag-Busters für dieses Finale qualifizieren oder nicht – der Gesamtverein wird den Neuaufbau des Teams weiterhin begleiten und finanziell fördern. So werden zum Beispiel die Busreisen der Nachwuchs-Footballer vom Verein bezahlt, betont Abteilungsleiter Paul Zach. Zudem würden auch Jerseys und Bälle gestiftet. Cowboys-Präsident Werner L. Maier sagt, die geplante Einführung eines Fünfer-Flags als Ergänzung der bestehenden Neuner-Teams sei „ideal, um Football in Schulen zu fördern". Der Fünfer-Flag werde den Einstieg für Kinder in den Football erleichtern, „weil es dann mehr Mannschaften geben wird". Für den Vereins-Football habe hingegen der Neuner-Flag „große Bedeutung", sagt Maier, da nur über diese Formation die dringend benötigten starken und schweren Line-Spieler gefunden werden könnten.

Zahlreiche Bundesliga-Spieler der Munich Cowboys haben ihre Football-Karriere bei den Flag-Busters begonnen. Karin Wald von den Ladies zum Beispiel. Oder Gary Lautenschlager. Beide spielen heute auf der Quarterback-Position. Ihre Nachfolger bei den Flag-Busters heißen Daniel Hathaway und Dominic Ziegler. Der zehnjährige Daniel erzählt, sein Vater, ein US-Amerikaner aus Boston, habe ihn zum Football geschickt. Der 13-jährige Dominic ist wiederum durch seinen Cousin zum American Football gekommen. Dominic mag die Sportart mit dem eiförmigen Ball, „weil hier eine Mannschaft zusammenspielen muss". Das Kicken mit dem runden Leder interessiert ihn überhaupt nicht, denn er meint: „Fußball ist Einzelsport".
(Jörg Schmilewski)


Autor: dema
Artikel vom 12.06.2007, 13:58 Uhr

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